Nicht jede Desinfektion braucht kochendes Wasser. Bei der chemothermischen Wäschedesinfektion übernimmt eine desinfizierende Chemie einen Teil der Arbeit, sodass moderate Temperaturen ausreichen — schonend für Gewebe und Funktionstextilien, ohne bei der Hygienewirkung Kompromisse einzugehen.
Kurzfazit
Chemothermische Verfahren kombinieren eine reduzierte Waschtemperatur mit einem geprüften Desinfektionsmittel. Richtig dosiert und dokumentiert erreichen sie dieselbe mikrobiologische Sicherheit wie rein thermische Verfahren — bei deutlich geringerer Materialbelastung.
Kombination aus moderater Temperatur und desinfizierender Chemie
Schont Membranen, Elastan und andere hitzeempfindliche Materialien
Bei der rein thermischen Desinfektion übernimmt allein hohe Temperatur (meist um 90 °C) die Keimreduktion. Bei der chemothermischen Desinfektion sinkt die benötigte Temperatur deutlich, weil ein geprüftes Desinfektionsmittel — etwa auf Basis von Aktivchlor oder Persäure — einen Teil der Wirkung übernimmt. Entscheidend ist dabei nicht ein einzelner Faktor, sondern das Zusammenspiel aus Temperatur, Einwirkzeit, Chemiekonzentration und mechanischer Wirkung.
Validiert werden solche Verfahren typischerweise nach den Listen des Robert-Koch-Instituts (RKI) beziehungsweise des Verbunds für Angewandte Hygiene (VAH), die für definierte Parameter-Kombinationen eine nachgewiesene Wirksamkeit bestätigen.
Wofür das Verfahren eingesetzt wird
Chemothermische Verfahren sind überall dort gefragt, wo hygienische Sicherheit verlangt ist, aber hohe Temperaturen dem Material schaden würden: Funktionstextilien mit Membranen oder Elasthan-Anteil, Warnschutzkleidung mit Reflexstreifen, sowie generell Berufskleidung, die viele Waschzyklen übersteht haben soll. In der hygienisch kontrollierten Wäscherei nach DIN EN 14065 (RABC) ist die chemothermische Desinfektion einer der zentralen Kontrollpunkte im Gesamtprozess.
Auch bei kontaminierter Einsatzkleidung von Feuerwehren kommen je nach Materialaufbau ähnliche Prinzipien zum Tragen, wenn eine rein thermische Aufbereitung die Schutzausrüstung beschädigen würde.
Worauf Betriebe achten sollten
Fragen Sie Ihren Wäschereipartner konkret, mit welchem validierten Verfahren gearbeitet wird und ob dieses nach RKI- oder VAH-Liste geprüft ist. Wichtig ist außerdem die lückenlose Überwachung und Dokumentation der Parameter — Temperatur, Zeit, Chemiedosierung — für jeden Durchlauf, nicht nur eine einmalige Verfahrensvalidierung.
Bei sensiblen Bereichen wie Klinik, Pflege oder Lebensmittelverarbeitung lohnt sich der Blick auf das gesamte RABC-System: Die chemothermische Desinfektion ist nur ein Baustein von mehreren.
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Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zu rein thermischer Desinfektion?
Rein thermische Verfahren erreichen die Keimreduktion allein über hohe Temperatur, meist um 90 °C. Chemothermische Verfahren senken die Temperatur und lassen ein geprüftes Desinfektionsmittel einen Teil der Wirkung übernehmen — schonender für Material, bei vergleichbarer Hygienewirkung.
Ist chemothermische Desinfektion genauso wirksam wie thermische?
Bei korrekt validierten und eingehaltenen Parametern (Temperatur, Zeit, Chemiekonzentration, Mechanik) ja. Maßgeblich ist, dass das konkrete Verfahren nach anerkannten Listen wie RKI oder VAH geprüft und die Einhaltung laufend dokumentiert wird.
Für welche Textilien eignet sich das Verfahren besonders?
Für hitzeempfindliche Materialien wie Membranen, Elasthan-Anteile und Reflexmaterialien — also für Funktionstextilien, Warnschutzkleidung und viele Arten von Berufs- und Hygienewäsche, bei denen eine rein thermische Aufbereitung Material und Ausrüstung angreifen würde.